Wie christlich ist das Werk von Terrence Malick?

Diese Frage ist in mir erstaunlich spät erwacht. Jahrelang haben mich seine Filme begleitet, und, wie in einem Traum, waren sie mir bruchlos mein Eigen, was zumal bedeutet, dass sie jenseitige Welten und den jenseitigen Gott ausschließen. Alles wäre eins. L’amour qui nous aime. (To the Wonder). Und mein Traum war ein gutes Traumspiel, erstaunlicher Effekt und sinnvoller Zusammenhang hielten einander die Waage.

Doch die Beweise in die andere Richtung scheinen überwältigend, und der Historiker in mir sagt mir, dass eine christliche Schrift einen christlichen Text ankündigt. Außerdem sind Malicks Filme große Kunstwerke, und große Werke sagen geradehin, was sie meinen. (Doch wer weiß: Krumme Wege geht Zarathustra.)

Und nun gibt es in der Tat einige wesentliche christliche Bezüge. Die glory in The Thin Red Line, die grace in The Tree of Life (das mit einem Zitat aus dem Buche Hiob beginnt und seine Auflösung mit einem an Gott gerichtet Wort findet: I give you my son), selbst die erwähnte amour aus To the Wonder könnte den Gott der Liebe meinen. Auf dem Höhepunkt des letztgenannten Films findet der Priester seine unmittelbare Beziehung zu Cristo wieder. Dabei handelt sich nicht um Anklänge und Referenzen, nicht nur um intellektuelle oder lyrische Ausstaffierungen, sondern um Gedanken, die diese Filme tragen.

Stehen also auch die größten Werke unserer Zeit unter dem Zeichen des Kreuzes? Geht die Menschheit keinen W e g, sondern bleibt ewig an denselben Pfahl gebunden, um den sie rastlos kreist, bevor sie ermattet vor ihm niederfällt? Behalten diejenigen Recht, die vier fünftel unserer Seele verteufeln und uns gerade so noch einmal nachsehen, dass wir überhaupt leben? Ist dieses Leben doch wertlos?

Die Antwort kommt unscheinbar, leise, sicherlich überhörbar, doch, immerhin, an einem prominenten Ort. Die letzten Worte von The Thin Red Line, Film des großen Zweifels, lauten: Darkness from light, strife from love: the workings of the same mind? the features of the same face? Die erste Frage könnte von einer göttlichen Schöpfung ausgehen, an der eben gezweifelt wird, die zweite von einer als ganzer dastehenden und somit auch als ganzer anzunehmenden einen Welt. Der analoge Satzbau in den beiden Fragen, die direkte Aneinanderreihung, der Bezug auf dasselbe Problem, machen uns mit dichterischer Deutlichkeit klar, dass beide nur Varianten oder gar nur Formulierungen derselben möglichen, hier bezweifelten Lösung sind. Malicks Gott gehört zur Welt.

Daher ist auch die „Erlösung” des gottverlassenen Priesters weder religionspsychologisch noch theologisch als Gotteserfahrung zu verstehen, sondern vielmehr „ontologisch” als ausgezeichnete Anwesenheit dieses Welt-Gottes. Dieser ist nämlich nicht nur en mí und en el corazón, er ist ebenso vor mir, hinter mir, über mir, unter mir, zu meiner Rechten, zu meiner Linken.

Unter den Augen Malicks hat „christlich” eine neue Bedeutung angenommen, die das Wort von seiner bisherigen entscheidend abtrennt great site. Merci (To the Wonder).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.