Neues aus Berlin (Glosse)

Es gibt Bücher, die sind ein Unglück und doch viel größres Glück zugleich. So die deutsche Übersetzung von ***s xxx, in diesem Sommer bei yy als XXX herausgekommen.

Ja, wir haben drin bittre Pillen zu schlucken, sowohl was die Schlampigkeit des Satzes als auch die Grammatik und sogar Idiomatik anbelangt (…) Meine Güte, ich fragte mich bisweilen ob der Übersetzer, +++, überhaupt des Deutschen mächtig sei… dem Deutschen, wie er schreiben würde.

Zugleich ist es dem yy Verlag wahnsinnig zu danken, uns nun schon zum zweiten Mal einen solchen Roman zugänglich gemacht zu haben – eines Weltautors, bei dem der beliebte Verlag zz schlichtweg die Grätsche gemacht hat xenical over the counter. Dass *** dies ist,  Weltautor, ist nämlich selbst in dieser problematischen Übersetzung unmittelbar zu erleben – sei es in seiner Befähigung, große Zusammenhänge zu konstruieren, sei es in der Lebendigkeit der Figuren, sei es in den szenischen Schilderungen, ja, der Roman kennt auch große tragische Momente. Dazu gibt es immer wieder Formulierungsbrillanten (…)

Als Genre ein Entwicklungsroman, konstruiert ihn *** in modernen Schleifen. Sie schaffen Zusammenhänge, denen kein „realistisch” chronologisches Erzählen gewachsen wäre. Seine Meisterschaft ist darin so grandios wie die Grundidee einfach (…)

Noch einmal (…) niemand mehr vergessen kann, der ***s berühmte Trilogie, gelesen hat, damals noch bei zz erschienen. Und nun ruft wieder einer hier, und voller Leidenschaft: Sapere aude! Wer es vernimmt, der wird – oder sollte – alle noch so berechtigten Einwände beiseiteschieben und sich auch nicht mehr drüber ärgern, dass jeder zweite Konjunktiv nicht stimmt. Richtig findet man ihn mittlerweile eh in fast kein Buch mehr. Die germanistische Sucht nach sogenanntem Realismus hat den Irrealis kurzweg weggeschluckt und unverdaut dann ausgeschissen. Die Spülung noch, Schluss is’. (…)

Darüber hinaus leuchtet der Roman nicht nur die wechselseitigen Abhängigkeiten von früher Prägung und späterem Charakter aus, sondern zieht auf höchst sinnennahe Weise ein ganzes Synapsenwerk objektiver Wirkfaktoren ans Licht. Die Abwehr (…) erinnert ein wenig an die Vorverurteilungen, die jahrelang die Wikipedia begleitet haben: Die zwar durchaus begründete, wie oben bei mir, doch letztlich eben Beckmesserei wird zur reaktionären Fortschrittsbremse.

Kompositorisch arbeitet das Buch mit Leitmotiven. (…) In ***s Kunst sind die Motive stets mehrfach (nur Dumme  sprechen von „über-”) determiniert. Da hat es nicht nur Witz – den indes enorm -, dass der junge Mann zu einem hochbegehrten, von Frauen klar, ‚Cunnilingisten’ wird (doch eben nicht, wie er anfangs denkt, „Cunnilinguisten”) – auch das bereits früh ausbalanziert bzw. vorangekündigt (…) Nun verliert sich der junge Mann geradezu meditativ in den Schößen der Frauen, was wahllos freilich mitheißt. (…)

Die enge Verbindung von Erkenntnis und Religiosität wird aber nicht erst hier klar, sondern zieht sich von Anfang an durch das Buch, das zugleich geradezu eine Huldigung an die Frauen ist (…)

Dann die energische „unbändig-schöne”, auf den ersten Blick kühle, doch sexuell heiß-artistische ###, die später, als Erwachsene ~~~s Arbeit die schlimmste Absage erteilen wird, die sich ein Denker denken kann – alles Figuren jedenfalls, die uns bleiben, fast mehr als der stets ein wenig ‚geworfene’ Held selbst. (…)

Doch nicht nur deshalb ist ***s Roman derart berauschend. (…) dieses große Buch. Es klingt dann nämlich so.

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